#FreiraumNetz18 – Unsere Forderungen

Welche Themen gehören auf die digitale Agenda für eine jugendgerechte Gesellschaft? Kann es faire Technikproduktion, fairen Datenhandel und ein faires Urheberrecht geben? Beim 3. Netzpolitischen Forum vom 23.-24.02.2018 in Frankfurt ging es um Regeln für ein faires Netz.

Die Teilnehmenden waren mit vielen Erwartungen gekommen: Neues lernen und sich inspirieren lassen, netzpolitische Verbündete finden, Methoden für die Medienbildung austauschen und sich mit anderen für Digitalcourage und Hope Speech einsetzen.

Workshops zu Big Data, Urheberrecht, Hardware und Engagement mit Daten

Regeln für ein faires Netz - Mirko Drotschman aka MrWissen2Go
Mirko Drotschman aka MrWissen2Go, Foto: ZGV, CC BY-SA 4.0.

Einen spielerischen Einstieg zum Thema fairer Umgang mit Daten bot das Spiel „Big Up 4 Big Data“, das die Medienfachberaterin Katharina Gmeinwieser vorstellte.  In weiteren spannenden Workshops ging es um faire Hardware, faires Sharing und Fair Play. Mit dabei: Susanne Jordan mit der „fairen Maus“ von Nager IT, John Weitzmann (Wikimedia & Creative Commons Board Deutschland) und Moritz Neujeffski (Datenschule der Open Knowledge Foundation).

Der Youtuber Mirko Drotschmann (aka MrWissen2Go) diskutierte mit den Teilnehmer*innen, welche Verantwortung mit Reichweite einhergeht. Er macht deutlich, dass die Analyse von Daten nicht automatisch schlecht ist. Auf diese Weise sehen Youtuber zum Beispiel sehr genau, welche Inhalte welche Zielgruppe erreichen oder an welcher Stelle ein Video abgebrochen oder zurückgespult wurde. So können gerade Bildungsinhalte noch besser aufbereitet werden. Er selbst reflektiert die eigene Rolle kritisch, etwa die Frage nach Objektivität in dem Video „Die Wahrheit über MrWissen2Go“.

Den Abschluss bildete eine engagierte Diskussion mit Ingo Dachwitz (netzpolitik.org), Markus Drenger (Sprecher der LAG Medien und Netzpolitik Hessen Bündnis ’90/Die Grünen), der Medienwissenschaftlerin Anna Grebe (BDKJ) und Stephan Groschwitz (Sachverständiger für den 15. Kinder- und Jugendbericht).

 

 

Regeln für ein faires Netz - Thesen entstehen
Erarbeitung von Thesen. Foto: ZGV, CC BY-SA 4.0.

#FreiraumNetz18: Thesen und Forderungen

Aus der Arbeit entstanden sind einige konkrete Forderungen, die im folgenden dokumentiert sind – Work in Progress – Comments welcome:

Digitale Mündigkeit: Daten verstehen und nutzen

#FreiraumNetz18: Jugendarbeit und –bildung sind gefordert, Methoden und Konzepte zu entwickeln, durch die Jugendliche einen selbstbestimmten Umgang mit Daten lernen und diese für gesellschaftspolitische Aktivitäten nutzen können. Der Staat sollte diese Aktivitäten gezielt unterstützen, um auch im Netz Jugendlichen Qualifizierung, Verselbständigung und Positionierung zu ermöglichen.

Sei Produzent*in, nicht (nur) Konsument*in!

#FreiraumNetz18: Der digitale Raum muss auch Freiraum sein! Jugendbildungsarbeit unterbreitet Angebote, die zeigen wie Jugendliche zu Produzent*innen werden können. Dabei sollen Jugendlichen Räume eröffnet werden, in denen sie aktiv die Gesellschaft mitgestalten können.

Transparenz bei Datenspeicherung und -auswertung

#FreiraumNetz18: Unternehmen, deren Daten Einfluss auf die Teilhabechancen aller Bürger*innen oder ausgewählter Gruppen oder Menschen haben, müssen ihre Algorithmen und Analysesysteme veröffentlichen. Nur durch diese Transparenz können Diskriminierungen ausgeschlossen werden. Staatliche Akteure müssen die Veröffentlichungen im Rahmen der Informationsfreiheitsgesetze einfach zur Verfügung stellen. Teilweise müssen die gesetzlichen Rahmen so angepasst werden, dass staatliche Daten noch transparenter werden.

Mit Daten Gutes tun – Aufgabe für die Jugendverbände

#FreiraumNetz18: Jugendverbände sollten Daten gezielt einsetzen – zum Beispiel für Storytelling und Kampagnen. Auf diese Weise können sie Problemlagen anschaulich aufarbeiten, Lösungsvorschläge machen und die Anliegen von Jugendlichen im politischen Raum wirkungsvoller vertreten. Dafür sollten sie das notwendige Knowhow aufbauen und für Engagierte auf alle Ebenen zur Verfügung stellen.

Neue Allianzen für eine jugendgerechte Netzpolitik

#FreiraumNetz18: Um die Digitalisierung jugendgerecht zu gestalten, müssen Jugendlichen und die Fachkräfte in Jugendverbänden, politischer Jugendbildung und allen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe aktiv in den Prozess eingebunden und qualifiziert werden. Um Expertise aufzubauen und politisch wirksam zu werden, braucht es neue Allianzen mit der netzpolitischen Zivilgesellschaft.

Foto: ZGV, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

„Smart youth work“ muss mehr als ein Schlagwort sein

#FreiraumNetz18: Eine smarte Jugendarbeit nutzt die Chancen der Digitalisierung und schlägt so Brücken. Sie trägt dazu bei, gesellschaftliche Werte und Rahmenbedingungen in der digitalen Gesellschaft mit Jugendlichen kritisch zu diskutieren und diese Stimmen im politischen Raum zu verstärken.

Freiheit für Kreativität in der  Bildung

#FreiraumNetz18: Das derzeitige Urheberrecht behindert Kreativität und die Arbeit mit digitalen Medien in der außerschulischen Bildung. Wir fordern Regeln, die für eine gemeinnützige, subjektorientierte Bildungsarbeit Ausnahmen zulassen – egal ob in Schule oder außerschulischer Bildung. Um konkret die Erstellung von Remixen, Websites und den Austausch über verschiedene Plattformen zu ermöglichen, braucht es weniger Angst vor Abmahnungen, praktikable Regeln beim Persönlichkeitsrecht und einfache Vergütungssysteme für Open Content.

Open Source – fair produzieren, fair konsumieren, fair handeln

#FreiraumNetz18: Wenn es um fairen Handel mit Hardware geht, klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke. Daher wollen wir in unserem Arbeitsfeld dazu beitragen, besser über Herstellungsbedingungen zu informieren. Akteure mit Marktmacht – wie Kirchen, Verbände, Bildungsstätten – sind besonders gefordert, bei der Anschaffung auf faire Produktions- und Handelsbeziehungen zu achten.

Das Jugend- und Netzpolitische Forum wird gemeinsam von der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitischen Jugendbildung (et) und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) verantwortet. 2018 war das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung (ZGV) der EKHN der Gastgeber.

Team: Daniela Broda, Arbeitsgemeinschaft der Ev. Jugend in Deutschland (aej), Ingo Dachwitz, netzpolitik.org, Ole Jantschek, Ev. Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et), Annika Gramoll, Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Ev. Kirche in Hessen und Nassau (ZGV), Tobias Thiel, Ev. Akademie Sachsen-Anhalt e.V.

Kontakt: Ole Jantschek